Neue Blutzuckerzielwerte aus den USA

Neue Blutzuckerzielwerte aus den USA

Das American College of Physicians (ACP), die führende US-Fach­gesell­schaft von Internisten, empfiehlt in einer neuen Leitlinie in den Annals of Internal Medicine (2018; doi: 10.7326/M17-0939) weniger anspruchsvolle Blutzucker­kontroll­ziele für Patienten mit Typ-2-Diabetes. Bei den meisten Patienten sollte ein HbA1c-Wert von 7 bis 8 Prozent angestrebt werden statt der von den Diabetes-Fachverbänden geforderten 6,5 bis 7 Prozent.

Der HbA1c-Wert ist ein Maß für den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten zwei bis drei Monate. Ab einem HbA1c-Wert von 6,5 Prozent liegt ein Diabetes mellitus vor. Die Diabetesfachgesellschaften fordern folglich, dass der HbA1c-Wert auf unter 6,5 Prozent gesenkt wird. Dies gelingt anfangs noch mit Metformin. Nach einiger Zeit benötigen die Patienten jedoch meist mehrere Wirkstoffe, zu deren Neben­wirkungen häufig eine Gewichtszunahme gehört, die eine wesentliche Ursache der Erkrankung ist. Außerdem steigt mit der Dauer der Therapie die Gefahr von Hypoglykämien, die Gesundheit und Leben der Patienten gefährden.

Das ACP rät deshalb, dass die glykämische Kontrolle bei Patienten mit Typ-2-Diabetes nach Abwägen von Nutzen und Risiken der Pharmakotherapie und unter Berück­sichtigung von Patientenpräferenzen, allgemeiner Gesundheit und Lebenserwartung der Patienten sowie der Behandlungsbelastung und den Behandlungskosten persona­lisiert wird.

Dazu wurden mehrere in den letzten Jahren veröffentlichte Studien zitiert, in denen eine Senkung des Blutzuckerwertes ganz drastisch unter oder um 6 Prozent HbA1c-Wert keine signifikante Besserung in der Sterblichkeit und Erkrankungshäufigkeit von Durchblutungsstörungen und Herzerkrankungen geführt hätte. Dies ist jedoch gegenwärtig noch großer Diskussionspunkt in den Fachgesellschaften und wird sicherlich in Deutschland zu ausgiebigen Meinungsverschiedenheiten führen.

Derzeit bleibt weiterhin gängiges Therapieziel, den Blutzuckerspiegel in den optimalen Bereich zu senken, d.h. möglichst zwischen 6 und 6.5% HbA1c, mit welchen Methoden dies geschehen muss, sollte jedoch sicherlich individuell auf den Patienten, die Lebensweise und die Kooperationsbereitschaft des Patienten abgestimmt werden.

 

Sprechen Sie diesbezüglich Ihren betreuenden Hausarzt oder internistischen Facharzt an, eine optimale Blutzuckereinstellung ist wesentlich, um Folgeerkrankungen des Diabetes zu vermeiden.

 

Mit den besten Grüßen aus dem sonnigen Palma de Mallorca verbleibe ich

Ihr

A. Dietz